UA-159/2018: Geschäftsmann seit vier Monaten willkürlich in Haft

Südsudan

Der südsudanesische Geschäftsmann und Stiftungsleiter Kerbino Agok Wol ist seit dem 27. April inhaftiert. Er wird zurzeit in der NSS-Zentrale in Juba festgehalten. Der Zugang zu einem Rechtsbeistand wird ihm bislang verwehrt und es wurde ihm auch nicht mitgeteilt, was ihm zur Last gelegt wird. Seit seiner Inhaftierung hat sich sein Gesundheitszustand verschlechtert, eine angemessene medizinische Versorgung erhält er jedoch nicht.


UA-Nr: UA-159/2018 AI-Index: AFR 65/9000/2018 Datum: 29. August 2018
Herr Kerbino Agok Wol


Der südsudanesische Geschäftsmann und Wohltäter Kerbino Agok Wol wurde am 27. April zum sudanesischen Geheimdienst NSS vorgeladen. Kerbino Agok Wol ist der Geschäftsführer der Versicherungsgesellschaft KASS und Gründer der gemeinnützigen Stiftung Nile Foundation. Als er zur Vorladung im Büro des NSS erschien, teilte man ihm mit, dass er verhaftet sei.

Seine Familie darf ihn besuchen, es wurde ihm jedoch nicht mitgeteilt, was man ihm zur Last legt und der Zugang zu einem Rechtsbeistand wird ihm ebenfalls verwehrt.

Amnesty International ist darüber besorgt, dass er seit mehr als zwei Monaten in Einzelhaft gehalten wird. Sein Gesundheitszustand hat sich in den letzten vier Monaten aufgrund der Haftbedingungen verschlechtert und es besteht die Befürchtung, dass er nicht die angemessene medizinische Behandlung erhält.

Hintergrundinformationen

Seit im Dezember 2013 der bewaffnete Konflikt im Südsudan ausgebrochen ist, wurden bereits mehrere Hundert Menschen, überwiegend Männer, im Auftrag des südsudanesischen Nationalen Geheimdienstes NSS und des Militärgeheimdienstes in verschiedenen über die Hauptstadt Juba verteilten Hafteinrichtungen inhaftiert. Viele der Inhaftierten werden als „politische Gefangene“ eingestuft. Ihnen wird vorgeworfen, mit der Opposition in Kontakt zu stehen oder diese unterstützt zu haben.

Amnesty International hat zahlreiche willkürliche Inhaftierungen des NSS dokumentiert. In mehreren Hafteinrichtungen sind die Gefangenen Folter und anderen Misshandlungen ausgesetzt – einige werden ohne Kontakt zur Außenwelt und ohne Zugang zu einem Rechtsbeistand oder Familienangehörigen festgehalten. Andere sind Opfer des Verschwindenlassens geworden. In den Hafteinrichtungen des NSS erhalten die Gefangenen oft nur eine einseitige Ernährung bestehend aus Bohnen und Posho (ein traditionelles Maisgericht). Die meisten Gefangenen müssen auf dem Boden schlafen. Einige sind heftig geschlagen worden, zumeist während ihrer Verhöre oder als eine Form der Bestrafung. Aufgrund der schlechten Haftbedingungen und des unzureichenden Zugangs zu medizinischer Versorgung verschlechtert sich der gesundheitliche Zustand der Gefangenen häufig.

Die südsudanesischen Behörden setzen seit dem Ausbruch des Konflikts im Dezember 2013 häufig lange und willkürliche Inhaftierungen, Verschwindenlassen sowie Folter und andere Formen der Misshandlung ein. Doch nach den Zusammenstößen zwischen der Regierung und der Opposition in Juba im Juli 2016, die im Kontext der zunehmend brutalen Aufstandsbekämpfung gegen vermeintliche und tatsächliche Regierungsgegner_innen standen, geraten Menschen, die als Teil der Opposition betrachtet werden, zunehmend ins Visier.

Die politische Stimmung im Südsudan lässt immer weniger Kritik an den Positionen der Regierung und ihrer Politik zu. Zivilgesellschaftlich engagierte Personen, Menschenrechtsverteidiger_innen und unabhängige Journalist_innen werden eingeschüchtert, schikaniert und inhaftiert. Dies hat zu einem Klima der Selbstzensur in den Medien und bei Menschenrechtsverteidiger_innen geführt: Die Menschen fühlen sich durch die allgegenwärtige staatliche Überwachung nicht mehr sicher, frei und offen über den anhaltenden Konflikt im Land zu sprechen.

Schreiben Sie bitte Faxe, E-Mails, Twitternachrichten oder Luftpostbriefe mit folgenden Forderungen:

  • Bitte lassen Sie Kerbino Agok Wol umgehend frei oder klagen Sie ihn einer international als Straftat anerkannten Handlung an.
  • Stellen Sie bitte sicher, dass Kerbino Agok Wol während seiner Inhaftierung weder gefoltert noch in anderer Weise misshandelt wird.
  • Bitte sorgen Sie dafür, dass Kerbino Agok Wol regelmäßigen Zugang zu seiner Familie und den Rechtsbeiständen seiner Wahl sowie die benötigte medizinische Versorgung durch qualifizierte Ärzt_innen erhält.

 

Appelle an: Kopie an:

Präsident der Republik Südsudan
Salva Kiir Mayardit
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Twitter: @RepSouthSudan

Bitte schicken Sie Ihre Briefe über die Botschaft!
(Adresse siehe rechts)

Botschaft der Republik Südsudan
I.E. Frau Beatrice Khamisa Wani Noah Leipziger Platz 8 10117 Berlin
Fax: 030-206 445 91 9
E-Mail: info@embassy-southsudan.de

 

Minister für Nationale Sicherheit im Büro des Präsidneten
Obuto Mamur Mete
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)

Bitte schicken Sie Ihre Briefe über die Botschaft!
(Adresse siehe rechts)

 

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 10. Oktober 2018 keine Appelle mehr zu verschicken.

Please write immediately

  • Calling on South Sudanese authorities to release Kerbino Agok Wol, or charge him with a recognizable criminal offence in accordance with international law and standards.
  • Calling on South Sudanese authorities to ensure that Kerbino Agok Wol is not subjected to torture or other ill-treatment while in detention.
  • Calling on them to ensure Kerbino Agok Wol is granted regular access to his family, any healthcare he may require from a qualified medical practitioner and a lawyer of his choice.