Menschenrechtssituation 2014 – Darfur

Massenvergewaltigung in Darfur

Mehr als 200 Frauen und Mädchen sind in Tabit. einem Dorf in Nord-Darfur vergewaltigt worden. Das berichteten am 6. November 2014 mehrere internationale Pressagenturen. Bei den Tätern handelte es sich laut örtlichen Medienberichten um sudanesische Soldaten. Augenzeugen berichteten, gegen 8 Uhr abends sei eine Gruppe Soldaten aufgetaucht und habe alle Männer mit Knüppeln aus dem Dorf gejagt. Anschließend hätten ihre grausame Massenvergewaltigung an ungefähr 200 Mädchen und Frauen begonnen, die bis um 4 Uhr am nächsten Morgen angedauert hätte.

Der Kommandeur hat offiziell zugegeben, dass seine Männer die Massenvergewaltigung begangen haben. Er gestand auch, dass sie die Männer in Tabit geschlagen und gedemütigt hätten. Er entschuldigte sich bei den Dorfbewohnern für die Tat. Die Regierung in Khartoum hat jede Untersuchung der Vorfälle verboten. Massenvergewaltigungen dieses Ausmaßes sind trotz anhaltender Unsicherheit in Darfur eher selten, obwohl es fast täglich Meldungen über Vergewaltigungen gibt.

Der Darfurkonflikt ist mittlerweile 12 Jahre alt, wird allerdings von der Öffentlichkeit kaum noch beachtet. Es gibt es noch immer keinen ausreichenden Schutz für die Zivilbevölkerung. Gewalt regierungsnaher Milizen in Darfur und Bombenangriffe der sudanesischen Luftwaffe auf zivile Ziele sind weiter an der Tagesordnung.

Die internationale Gemeinschaft ignoriert weiterhin die anhaltende Gewalt im Westen des Sudan. Weder wird eine Entwaffnung der Milizen gefordert noch ein Ende der Straflosigkeit. Obwohl nach UN-Informationen nahezu 400 8.000 Darfuris seit Januar 2014 fliehen mussten, gibt es heute noch weniger humanitäre Helfer als im Jahr 2013. Aufgrund von immer neuen Restriktionen verringerte sich die Zahl der Helfer in Darfur von 6.850 auf nur noch 5.540. Sie müssen etwa 2 Millionen Binnenflüchtlinge in 46 offiziellen und 68 inoffiziellen Lagern betreuen.

Amnesty International hat die sudanesische Regierung bereits mehrere Mal aufgefordert Maßnahmen zu ergreifen, um Angriffe sudanesischer Streitkräfte und paramilitärischer Milizen auf Zivilisten und zivile Ziele zu unterbinden. Die Straflosigkeit muss umgehend beendet werden.