Menschenrechtssituation 2015/2016 – Darfur

Amnesty Report 2015/16 – Darfur

Die bewaffneten Auseinandersetzungen in Darfur dauerten bereits das zwölfte Jahr an. Die Kampfhandlungen zwischen Regierung und bewaffneten Gruppen ließen zwar nach, doch gab es immer wieder bewaffnete Zusammenstöße, Überfälle von Kriminellen und gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen. In ganz Darfur waren Freizügigkeit und politische Freiheiten weiterhin eingeschränkt. Etwa 223000 Menschen wurden 2015 infolge der Kämpfe vertrieben. Die Zahl der Binnenvertriebenen in Darfur stieg damit auf 2,5 Mio. Menschen an.

Im Dezember 2014 nahm die Regierung die Militäroperation Decisive Summer wieder auf und startete Boden- und Luftangriffe auf Dörfer in den Regionen Jebel Marra und East Jebel Marra. Der UN-Expertenausschuss zum Sudan stellte in seinem Bericht vom Januar 2015 fest, zur Strategie der sudanesischen Regierung zähle die “kollektive Bestrafung von Dörfern und Städten, aus denen bewaffnete Oppositionsgruppen vermeintlich kommen oder in denen sie vermeintlich aktiv sind”. Die Bevölkerung solle veranlasst bzw. gezwungen werden, ihre Heimat zu verlassen. Außerdem suche die Regierung die direkte Auseinandersetzung mit bewaffneten Gruppen, sobald deren Aufenthaltsort festgestellt worden sei, dies schließe auch Luftangriffe ein.
 
Geschlechtsspezifische und sexuelle Gewalt waren in Darfur nach wie vor weit verbreitet. Nachdem die UN-Sonderberichterstatterin über Gewalt gegen Frauen den Sudan im Mai 2015 besucht hatte, forderte sie die Regierung nachdrücklich auf, eine Untersuchungskommission einzusetzen, um Vorwürfen über Massenvergewaltigungen nachzugehen, einschließlich der Vergewaltigung von mehr als 200 Frauen und Mädchen Ende 2014 in der Ortschaft Thabit.